Berlin, irgendwo zwischen Kaffee und Chaos
Eene Molle und een Futschi.1
Vor mir und meene Püppi2, wa.
Ein Herrengedeck3 für die Transperson an Tisch 8.
Die Kellnerin sagt das ganz neutral, als würde sie das Wetter ansagen.
„Ein Cappuccino bitte."
„Cow milk or normal?"4
Kurze Pause.
Draußen läuft ein Punk mit blauen Haaren vorbei,
als hätte er die Farbe selbst erfunden.
Ein belgischer Malinois5 springt zwei Meter hoch – einfach so.
Will wohl in den Müllcontainer kucken.
Aber: andere Straßenseite. Niemand reagiert.
Zwei junge Leute, irgendwas Englisch6, sitzen auf dem Gehweg, an die Hauswand gelehnt, rauchen selbstgedrehte und schauen, als hätten sie alle Zeit der Welt.
Und irgendwo dazwischen hängen wir rum.
Mit Bier. Mit Kaffee.
Mit dem ganzen Rest, der gerade so passiert.
Berlin atmet. Frühling.
Alles ein bisschen drüber.
Aber eben: Völlig normal.
Fußnoten für Nicht-Berliner:
1. Eene Molle und een Futschi: Das Berliner Überlebenskit. Eine „Molle“ ist ein Glas Bier, ein „Futschi“ ist Weinbrand mit Cola. ^ zurück
2. Püppi: Ein liebevoller Kiez-Kosename. Kann die Partnerin sein, die beste Freundin oder einfach jemand, mit dem man gerade die Molle teilt. ^ zurück
3. Herrengedeck: Klassiker aus Bier plus Schnaps. Dass es serviert wird, ohne dass jemand starrt, ist das „Berlin-Gefühl“. ^ zurück
4. Cow milk or normal?: Gipfel der Gentrifizierung. Hafermilch ist der Standard, Kuhmilch fast schon ein mutiges Statement. ^ zurück
5. Belgischer Malinois: Ein Hund für Spezialeinsätze, hier nur akrobatische Deko. Ein fliegender Hund braucht in Berlin eigentlich eine Baugenehmigung. ^ zurück
6. Irgendwas Englisch: Inoffizielle Amtssprache. Wer hier noch „Guten Tag“ sagt, wird oft für einen verirrten Touristen gehalten. ^ zurück
2 comments
Boarischa Krautmo said:
Kayleigh replied to Boarischa Krautmo:
Vielen Dank :-)