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Das Dorf am Arsch der Welt: Ein Triptychon in Grau
Man sagt, die Provinz sei Idylle. Wer das glaubt, hat nie genau hingesehen. In der deutschen Tiefe wohnt ein Moloch, der nicht brüllt, sondern schweigend auf den Dächern sitzt. Er ist müde, er ist satt, und er hat eine unerbittliche Ordnung.
Was folgt, sind drei Schnitte durch das Fleisch der Heimat. Drei Verse, drei Bilder, drei Messer. Von der Gier des Zählens über die bleierne Macht der Tugend bis hin zur lautlosen Ankunft der Raben.
Hier wird nichts erklärt. Hier wird nur bezeugt.

Das Dorf am Arsch der Welt

Ein Triptychon in Grau. Drei Schnitte durch das Fleisch der Heimat. Drei Messer. Unterschiedliche Klingen.

Das Dorf am Arsch der Welt
Es hat diese typisch deutsche Direktheit, die gleichzeitig derb und poetisch ist.
Kein anderes Volk würde das so sagen und dabei völlig ernst gemeint sein. Im Englischen wäre es Kalkül, im Französischen Pose – auf Deutsch ist es einfach wahr.
Und es hat Tradition. Von Tucholsky bis Böll – diese Lust am schonungslosen Benennen des Provinziellen. Das steckt tief in der deutschen Literatur.

Die Expressionisten wussten das. Heym, Trakl, Benn – sie haben die Welt nicht beschrieben, sie haben sie angeklagt. Kurze Zeilen wie Schläge. Bilder die brennen. Keine Erklärungen, keine Entschuldigungen.
Die Großstadt als Moloch, der Mensch als Opfer seiner eigenen Ordnung. Was sie nicht wussten – oder vielleicht doch – ist dass der Moloch auch im Dorf wohnt. Müde. Auf dem Dach.

Und dann kamen die Dadaisten und lachten.
Hugo Ball im Cabaret Voltaire, Zürich 1916, im Bischofskostüm, Lautgedichte rezitierend die keine Sprache mehr kannten. Weil die Sprache gelogen hatte. Weil die Wörter mitgeholfen hatten. Also: weg damit. Gadji beri bimba. Der Unsinn als letzte Ehrlichkeit.
Irgendwo zwischen diesen beiden – dem expressionistischen Zorn und dem dadaistischen Lachen – sitzt dieses kleine Buch.
Das Dorf denkt es ist gewöhnlich.
Es ist verflucht.
Und die Raben haben nichts zu fürchten.


I. Die Ökonomie

I. Die Ökonomie



Von A nach B und wieder zurück. Sie zählen ihre Taler im Mondschein. Immer. Noch einmal. Bis der Mond sie nicht mehr sieht.

II. Die Macht

II. Die Macht





Bänke. Mauern. Zäune. Geier auf den Dächern – müde von ihrer eigenen Tugend. Sie vertreiben die Künstler. Das nennen sie Ordnung. Das Dorf schläft nicht. Es wacht und verhindert.

III. Das Ende

III. Das Ende



Die Morrigane ist eingetroffen. Kein Donner. Kein Zeichen. Die Dorfstraße verdunkelt sich. Nebel. Die Raben haben nichts zu fürchten.

4 comments

Le miroir de l'aube said:

A l'heure des monstres, les hommes arrêtent de se regarder dans la glace. Ils n'ont plus besoin, il leur suffit de regarder le visage d'un autre homme pour retrouver le leur.
5 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Le miroir de l'aube:

Une pensée tranchante, Lionel. Dans ce village, il n'y a plus de visages, seulement les reflets d'une même pétrification. Ta phrase est la quatrième lame de cette série. Merci !
Amitiés :-)
4 days ago ( translate )

Boarischa Krautmo said:

Provinz, das Grauen der Idylle....
5 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Boarischa Krautmo:

:-)))
Vielen Dank :-)
4 days ago ( translate )