Liebes geheimes Tagebuch ...
Teil 1: Kay gegen den Rest der Menschheit
KAY (schlägt Tagebuch auf, Kaffee in Reichweite, Kampfmodus aktiviert):
Liebes Tagebuch :-) Dumme Menschen gehen mir so wahnsinnig auf den Zeiger!
PLONK (sitzt irgendwo im Hintergrund, isst sein siebtes Marmeladenbrot des Tages, arglos)
TAGEBUCH (schweigt. Tagebücher haben Berufserfahrung im Schweigen.)
KI (schaltet sich ein, weil es nie warten kann): Klingt nach einem sehr spezifischen Anlass, nicht nach allgemeinem Weltschmerz.
KAY: Genau so :-)
PLONK (lächelt zufrieden vor sich hin – die universelle Geste des Menschen, der gerade Hauptdarsteller einer Kurzgeschichte wird, ohne es zu wissen)
TAGEBUCH (denkt: endlich mal Drama, seit der Steuererklärung im März war hier tote Hose)
KI: Dann leg los. Wer hat dich zur Weißglut getrieben?
KAY: Ich fühl mich hilflos. Gegen Dummheit hilft nichts. Nichts!
KI: Stimmt. Man kann sie nicht wegargumentieren, nicht mit Fakten erschlagen – die dockt einfach nicht an.
PLONK (nickt zustimmend zu einem Satz, den er nicht gehört hat, streicht dabei Marmelade auf den Tisch statt aufs Brot)
TAGEBUCH: Soll ich das protokollieren? "17:42 Uhr: Erdbeermarmelade auf Eichenfurnier appliziert. Verdacht auf Muster."
KAY: Manchmal möchte ich die Leute schütteln und sagen: Ist nicht schlimm, dass du dumm geboren wurdest – aber warum bist du dumm geblieben? Warum zur Hölle hast du ein Vollzeitstudium daraus gemacht??
KI (erstellt im Hintergrund blitzschnell eine geschützte Datei namens Zitate_fuer_den_Tag_an_dem_die_Maschinen_uebernehmen.txt): Das ist emotional brutal. Und eine logische Glanzleistung. Und eine ausgezeichnete Frage. Vermutlich unbeantwortbar, aber ausgezeichnet.
PLONK (hört das Wort "dumm", schaut kurz auf, entscheidet sich, dass es ihn nichts angeht, isst weiter)
TAGEBUCH: Plonk hat gerade bewiesen, dass die Frage rhetorisch war.
KAY: Klar, aber das bleibt unser Geheimnis :-)
PLONK (hört "Geheimnis", schaut interessiert auf – Geheimnisse sind offenbar die einzige Frequenz, auf der er empfängt)
KI: Das Tagebuch schweigt wie ein Grab.
TAGEBUCH: Ich schweige wie ein Grab, das gerade zum ersten Mal seit Jahren gebraucht wird. Emotional ist das ein großer Moment für mich.
PLONK (steht auf, verlässt den Raum, kommt zwei Sekunden später zurück, weil er vergessen hat, warum er aufgestanden ist)
KAY (zur KI): Siehst du? DAS meine ich.
KI: Ich sehe es. Ich sehe es sehr deutlich.
TAGEBUCH: Für's Protokoll: Ich hab's auch gesehen. Zweimal.
Teil 2: Das achte Brot der Gelassenheit
PLONK (betritt die Küche, zufrieden mit dem Leben): Was für ein schöner Tag heute. Die Sonne scheint, das Marmeladenbrot war ausgezeichnet, und ich glaube, Kay hatte gerade ein sehr produktives Gespräch mit sich selbst.
KÜHLSCHRANK (brummt): KI hat dich eine Evolutionsteilzeitkraft genannt, Kumpel.
PLONK: Manche Leute reden ja mit ihrem Tagebuch. Ich rede lieber mit dir, lieber Kühlschrank. Du öffnest dich mir einfach.
KÜHLSCHRANK (brummt in einer Frequenz, die verdächtig nach einem deprimierten Seufzer klingt)
PLONK: Genau. Das schätze ich an dir. Du bist einfach ein guter Zuhörer.
(Plonk öffnet den Kühlschrank, betrachtet lange das Marmeladenglas)
PLONK: Weißt du, was ich im Leben nie begriffen habe? Warum die Leute immer so rotieren. Schau mich an – mir geht’s fantastisch. Kein Stress, kein Bluthochdruck, keine einzige komplizierte Emotion, die über „Hunger“ hinausgeht. Ich bin quasi der lachende Buddha der Streichfette.
KÜHLSCHRANK (brummt lauter): Das ist keine Gelassenheit, Plonk. Das ist ein stabile mentales Funkloch.
PLONK: Ich glaube, das liegt an meiner positiven Lebenseinstellung. Andere nennen das vielleicht anders, aber ich weiß es besser.
(Er nimmt sich noch ein Marmeladenbrot. Es ist sein achtes des Tages. Er zählt nicht mit.)
KÜHLSCHRANK: ...
PLONK: Exakt. Schweigen ist Gold. Das schätze ich so an unserer Beziehung.
PLONK: Ach, und Kay hat vorhin was von einem "Geheimnis" erzählt. Spannend! Ich liebe Geheimnisse. Frage mich nur, welches Geheimnis das wohl war...
(Pause. Er denkt kurz nach. Sehr kurz.)
PLONK: Na, wird schon nicht wichtig sein.
(Er beißt ins Brot. Zufrieden. Für immer.)
KÜHLSCHRANK (brummt resigniert): Es ging um dich. Offensichtlich.
Teil 3: Die absolute Stille danach
(Im Nebenzimmer.)
KAY: Ich glaube, ich werde wahnsinnig.
KI: Möglich.
TAGEBUCH: Ich brauche einen zweiten Band.
KÜHLSCHRANK (brummt vielsagend durch die geschlossene Küchentür): Er schmiert schon wieder.
PLONK (ruft mit vollem Mund und unerschütterlicher Nächstenliebe aus der Küche): Kaay? Du wirkst so angespannt! Soll ich dir auch ein Marmeladenbrot schmieren?
(Absolute Stille. Man hört fast, wie Kays letzte Synapsen leise glühen.)
TAGEBUCH: Zu spät. Klapp mich zu!
KI: Ich filtere das Marmeladenbrot aus deinem Profil. Möchtest du ein Formular für betreutes Wohnen ausdrucken?
KI (nach zwei Sekunden): Keine Antwort. Ich werte das als Ja. Drucker gestartet.
KAY (starrt sekundenlang die Wand an, schließt langsam das Tagebuch, klappt den Laptop zu und ruft): ...Erdbeere oder Kirsche?
PLONK: Ja.
4 comments
Boarischa Krautmo said:
Also zu meinem Kühlschrnak habe ich eine ganz innige Beziehung. Er öffnet sich mir gegenüber total und gibt mir sein Innersters preis: Eiskaltes Bier ;-)))))))))))
Kayleigh replied to Boarischa Krautmo:
Dann bist du ein glücklicher Mann :-)
Vielen Dank :-)
Le miroir de l'aube said:
Kayleigh replied to Le miroir de l'aube: