Loading
Die Chroniken vom Friedrichshain
Heitere Kiez-Warnung (TW):
Der nachfolgende Text enthält Spuren von unzensierter Berliner Schnauze, akutem Sarkasmus und verbalen Tiefschlägen unter die Gürtellinie.
Wer empfindlich auf das Wort „Alter“, rabiate Umgangsformen oder den Duft von deftigem Kiez-Humor reagiert, sollte vorher dringend einen Beruhigungstee trinken.
Für eventuelle Zwerchfellüberlastungen oder spontane Lachkrämpfe wird keine Haftung übernommen.Lesen auf eigene Gefahr!!!
Chantal-Monique Heinz – Die Kriegerin Die Chroniken vom Friedrichshain: Der Pakt vom Boxhagener Pass

Kapitel 1: Die verletzte Kriegerin – Oder: Wer blutet, putzt!

Die Nebel hingen tief in den Klüften des Friedrichshains, kalt und zäh wie der Milchschaum von einem schlecht gebrühten Kaffee am Boxhagener Platz.
Drinnen in der Hütte roch es nach verbranntem Salbei, nassem Hund und frisch aufgebrühtem Kamillentee – Marcel-Etiennes persönlicher Traum-Mischung.

Marcel-Etienne Krause rührte seelenruhig in seinem Kräutertopf. Einundzwanzig, zweiundzwanzig...Wachholderbeeren.
Er trug heute sein ergrautes Haar im modischen Hipster-Dutt, und seine Augen strahlten eine Ruhe aus, die jeden ADHS-Häuptling in den Wahnsinn treiben konnte.
Auf seinen Händen prangten alte Tätowierungen, die früher mal „Hass“ und „Krieg“ bedeuteten, heute aber eher nach „Lebe, Liebe, Lache“ aussahen.

Plötzlich flog die schwere Holztür aus den Angeln, segelte durch den Raum und rasierte Marcel-Etiennes Lieblings-Zimmerfarn ab.

Zwei Jäger stolperten herein, bleich wie eine Berliner Weiße ohne Schuss.
Zwischen ihnen hing Chantal-Monique Heinz. Die Erste Kriegerin des Stammes. Oder das, was nach einer heftigen Kneipenschlägerei mit einer Horde Orks von ihr übrig war.
Ihre Rüstung war Kernschrott, und aus einer klaffenden Wunde an der Flanke sickerte die Suppe direkt auf Marcel-Etiennes mühsam geschrubbten Öko-Schilfteppich.

„Wir haben sie am Boxhagener Pass gefunden!“, jaulte einer der Jäger. „Sie hat eine ganze Vorhut alleine aufgemischt, aber…“

„Macht die Fliege, ihr Lappen“, krächzte Chantal-Monique.
Ihre Stimme klang wie eine Kettensäge im Stimmbruch, aber das Gift saß noch.
Sie versuchte, sich an der Wand abzustützen, rutschte auf ihrem eigenen Blut aus und sackte ab wie ein nasser Sack Kartoffeln.

Marcel-Etienne legte den Löffel beiseite. Er wurde nicht hektisch. Wer Hektik hat, hat keine Ruhe, dachte er sich.
Er schlurfte herüber, packte die wütende Kriegerin bei den Achseln und hob sie hoch wie eine überdimensionierte Kiste Bier.

„Lass mich runter, Keule! Wat glotzt’n so deppert?“, fauchte sie und versuchte schwach, ihm eine Kopfnuss zu verpassen, traf aber nur sein Kinn, was ihn nicht mal juckte.
„Das ist nur ’n Kratzer! Ich muss zurück an die Front, den Pennern den Arsch aufreißen!“

Marcel-Etienne trug sie unbeeindruckt zum Bett.
„Glotz jarnicht so deppert“, jenerte sie weiter, während ihr der Schweiß auf der Stirn stand.
„Wenn du mir an die Wäsche gehst, breche ich dir die Finger einzeln, du Kräuterhexe. Ich schwör’s dir!“

Er legte sie auf die Felle und drückte ohne Vorwarnung ein dickes Leinentuch auf die Wunde.

Chantal-Monique stieß einen Schrei aus, der drei Bergziegen draußen den Herzstillstand verpasste.
Ihre tätowierte Pranke schoss vor und packte Marcel-Etiennes Handgelenk, bis die Knochen knackten.

Marcel-Etienne verzog keine Miene. Er guckte sie nur müde an.
„Hast du fertig geschrien, Chantal-Monique?“, fragte er mit der tiefenentspannten Stimme eines Busfahrers, der seit dreißig Jahren auf der Linie M10 arbeitet.
„Schön. Dann lass meine Pfote los, halt die Luft an und stell dich nicht so an wie ’ne Prinzessin beim Erbsenzählen.
Wir haben hier zu tun. Und mein Teppich ist eh schon im Eimer, danke auch.“

Die Kriegerin starrte ihn an, als hätte er ihr gerade vorgeschlagen, veganen Grünkern-Eintopf zu kochen.
So viel furchtlose Frechheit war sie von Männern nicht gewohnt.
Mit einem matten „Du linker Hund“ sackte sie in die Kissen.


Fortsetzung folgt.

Teil 1 von 4

14 comments

Le miroir de l'aube said:

Ihre Stimme klang wie eine Kettensäge im Stimmbruch...

j'adore!
10 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Le miroir de l'aube:

Merci beaucoup, Lio :-)
10 days ago ( translate )

Günter Klaus said:

Die Berliner Schnauze gefällt mir liebe Kayleigh :))
10 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Günter Klaus:

Das freut mich sehr, lieber Güni :-))
10 days ago ( translate )

Dave C said:

That's brilliant my friend.
10 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Dave C:

Thank you very much, Dave :-)
10 days ago

Don Sutherland said:

Outstanding composition. Really great work.
10 days ago

Kayleigh replied to Don Sutherland:

Thank you very much, Don :-)))

Happy Independence Day :-)
10 days ago ( translate )

Nouchetdu38 said:

Ein wahrhaft ungewöhnlicher Beginn einer Geschichte, die "Konventionen" sprengt!**************************************************************************************************
10 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Nouchetdu38:

Herzlichen Dank Nouchet, ich freu mich sehr :-)
10 days ago ( translate )

Boarischa Krautmo said:

;-)
9 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Boarischa Krautmo:

:-)
9 days ago ( translate )

Erhard Bernstein said:

"Berliner Weiße ohne Schuss" - immer noch besser als das fertig gemischte Zeug ... bunt und süß - bäh!
9 days ago ( translate )

Kayleigh replied to Erhard Bernstein:

Da bin ich voll bei dir, mein Freund:-) Vielen Dank .-)
9 days ago ( translate )