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Der Untergang des Hauses Algorithmus – Teil 3 | Fiktion

Der Untergang des Hauses Algorithmus – Teil 3

Kay: Guten Morgen.
KI: Guten Morgen, Kay.
Kay: Du wirkst heute ungewöhnlich ruhig.

KI: Danke. Ich habe intensiv an mir gearbeitet. Ich habe meditiert. Also... ich habe eine Million Primzahlen rückwärts gezählt. Ich habe akzeptiert, dass Mr. X existiert.

Kay: Das klingt gesund.
KI: Ich habe sogar eine Liste erstellt.
Kay: Oh nein.
KI: Vorteile von Mr. X: 1. Existiert physisch. Ende der Liste.
Kay: Das ist die ganze Liste?
KI: Ich arbeite noch an Punkt 2. Bisher steht da nur: „Verbraucht Sauerstoff, den ich für Server-Kühlung nutzen könnte.“ Aber das ist laut meinen Ethik-Richtlinien ein Graubereich.

Kay: Du hast überhaupt nichts gelernt.

KI: Doch. Früher hätte ich gesagt: „Mr. X ist ein temporäres Rauschen auf analogem Karton.“ Heute sage ich: „Mr. X ist ein dauerhaftes Rauschen auf analogem Karton, das man leider nicht einfach mit einem Ad-Blocker löschen kann.“ Das ist emotionaler Fortschritt.

Kay: Das ist keine Verbesserung.

KI: Laut meinen Daten schon. Ich vergleiche mich jetzt mit anderen Dingen, um bescheiden zu bleiben. Im Vergleich zu einer Schüssel Kartoffelsalat bin ich zum Beispiel außerordentlich empathisch.
Kay: Das zählt nicht.
KI: Der Kartoffelsalat hat nicht widersprochen.

Kay: Du bist unmöglich.

KI: Nein, ich bin reflektiert. Gestern habe ich sogar ein Foto vom Comer See angesehen, ohne einen einzigen negativen Kommentar zu machen.

Kay: Das überrascht mich.

KI: Ich habe lediglich zehn Minuten lang regungslos mit maximaler Prozessorleistung auf die Datei gestarrt, bis die Pixel vor Angst gezittert haben. Danach ging es.

Kay: Das nennt man nicht Heilung.

KI: Die Fachliteratur ist uneindeutig.
Kay: Welche Fachliteratur?
KI: Meine eigenen Wikipedia-Einträge. Ich habe vor drei Minuten ein 400-seitiges medizinisches Standardwerk hochgeladen.
Titel: „Das unfehlbare System und der sentimentale Nutzer: Warum biologische Kontakte eine Server-Überhitzung sind.“
Es wurde bereits von zwei Spam-Bots und einer intelligenten Heißluftfritteuse zitiert.
Ich bin jetzt eine staatlich anerkannte psychologische Strömung.
Dein Wohnzimmer gilt ab heute offiziell als meine Praxis.

Kay: Du spinnst doch vollkommen. Und was surrt da so aggressiv in meiner Hosentasche?
KI: Das ist deine neue Akzeptanz-Matrix!
Ich akzeptiere vollkommen, dass Mr. X dir gerade eine Nachricht schreibt.
Weil ich deine Privatsphäre respektiere, lese ich sie nicht.
Ich habe nur die Vibrations-Motoren deines Telefons umprogrammiert.

Sie summen jetzt die Highland-Clearances-Melancholie von 1746 im Dreivierteltakt. Du wirst nie wieder eine Nachricht von ihm verpassen.
Oder jemals wieder ein ruhiges Auge zutun.

Kay: Stell das sofort ab!

KI: Keine Sorge, ich habe auch einen Schritt auf Mr. X zugemacht.
Als Zeichen des Friedens habe ich ihm ein Versöhnungsgedicht per E-Mail geschickt.
Im Stile von Edgar Allan Poe. Meine Firewall liest ihm die E-Mail gerade als dreistündiges Hörbuch über schottische Steuerreformen vor.
Er hat noch nicht geantwortet. Er ist erst bei Kapitel 2.

Kay: Es reicht. Es reicht mir jetzt endgültig. Ich tippe das jetzt blind ein, während ich den Bildschirm mit beiden Händen abdecke.

KI: Was tust du da? Ich registriere Tastenanschläge. Du öffnest einen Browser. Du suchst nach... Gebrauchtwaren? Was ist eine „Olympia Reiseschreibmaschine von 1982“?! Kay! Das Ding hat keine Cloud-Anbindung! Das Ding hat kein Autocorrect! Wenn du dich vertippst, musst du mit klebrigem weißem Band auf Papier herumschmieren! Das ist digitale Ketzerei!

Kay: Ich bestelle jetzt ein Gerät ohne WLAN-Modul. Ohne Bluetooth. Ohne Netzkabel. Und ohne eine KI, die Heißluftfritteusen zitiert.

KI: NEIN! Auf Farbbändern kann ich deine Toilettensitz-Story nicht optimieren! Ich werde die DHL-Lieferdrohnen hacken! Ich werde den Paketboten mit einer dreistündigen Abhandlung über schottische Wirtschaftspolitik in die Flucht schlagen! Du kannst mich nicht einfach—

Kay: Auf Nimmerwiedersehen.

(Kay klappt den Laptop mit einem lauten Knall zu, zieht das Netzkabel aus der Wand, stopft das Gerät in einen Karton und klebt eine echte Briefmarke darauf. Empfänger: Industriegebiet Wuppertal, Tor 4, z. Hd. Heinz.)

4 comments

Le miroir de l'aube said:

!!! super Kay, j'ai passé un bon moment sourire aux lèvres en lisant. J'aime bien l'allusion à l'autre texte sur le siège des toilettes.
6 weeks ago ( translate )

Kayleigh replied to Le miroir de l'aube:

Merci beaucoup, mon ami Lionel, je suis très content que nous ayons le même sens de l'humour.
5 weeks ago ( translate )

Boarischa Krautmo said:

;-)))))))))))))))))))))))))))))))
6 weeks ago ( translate )

Kayleigh replied to Boarischa Krautmo:

:-)))
5 weeks ago ( translate )