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Angst vor der Organspende
Täglich sterben viele Menschen, weil es gerade in Deutschland zu wenig Spenderorgane gibt.
Denken die Menschen zu wenig darüber nach oder haben sie wirklich Angst lebend ausgeweidet zu werden? Sind es religiöse Gründe? Ist es fehlende Empathie?
In vielen Ländern Europas ist man per Gesetz Spender, es sei denn man widerspricht dem schriftlich. Viele Menschen die auf ein Organ warten, wünschen sich diese Regelung auch für Deutschland. In anderen Ländern bekommt man relativ schnell das lebensrettende Organ. In Deutschland warten viele Menschen vergeblich auf diese Rettung.
Jeder kann in diese Situation kommen. Was denkt Ihr?

15 comments

Kalli said:

Ich habe seit 15 Jahren einen Organspenderausweis in meiner Brieftasche. Seit 2009 aber auch eine Patientenverfügung, nach der ich nicht künstlich am Leben gehalten werden will. Ich glaube, das passt im Ernstfall nicht zusammen. Da müsste dann "der Verantwortliche" entscheiden, welchen von beiden Zetteln er übersehen will.
Ich bin für eine pauschale gesetzliche Organspendepflicht (mit Widerspruchs-Option).
2 years ago ( translate )

Biobauer replied to Kalli:

Den Punkt solltest Du konkretisieren. Sicher meinst Du, das Du nicht über einen längeren Zeitraum am Leben gehalten werden möchtest. Bis sicher ist, dass Du klinisch tot bist, solltest Du im nicht zu wünschenden Falle auf jeden Fall künstlich am Leben gehalten werden. ;-)
Danke für Deinen Beitrag.
2 years ago ( translate )

Tanja - Loughcrew said:

Ich selbst darf nicht mehr spenden....erst als ich das erfahren habe, hab ich mir wirklich mal Gedanken darüber gemacht und als ich Dich kennengelernt haben, war das Thema dann plötzlich gleich *nebenan*.
Ich selbst hab ein klein wenig Beklemmungen bei dem Gedanken an eine Organentnahme aus einem "am Leben erhaltenen" Körper. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass die Seele den
menschlichen Körper erst dann verlassen kann, wenn alle Funktionen erloschen sind...und das sind
sie bei der Organentnahme ja noch nicht..nur deswegen hab ich bedenken.
Ich kann mir vorstellen, wie glücklich und dankbar man ist, wenn man mit einem fremden Organ weiterleben darf, kann aber nicht aus vollem Herzen sagen: Ja...ich würde es tun!
2 years ago ( translate )

Biobauer replied to Tanja - Loughcrew:

Wie Du weißt bin ich frei von jeglicher Religion aufgewachsen und bin darüber auch sehr froh! Niemand hat mir als Kind Angst machen können, wenn ich mich mal nicht gottgefällig verhalten habe. Vermutlich finde ich es deswegen bis heute völlig abwegig das irgendein Lebewesen eine Seele haben könnte, die dann auch noch entweicht wenn es stirbt. Ich finde es ehrlich gesagt bis heute unverständlich, wenn insbesondere wissenschaftlich gebildete Menschen vorgeben an Gott zu glauben, da Wissenschaft und Religion für mich so gar nicht zusammen passen.
Ich kann und muss es aber akzeptieren, wenn Menschen daran glauben. Ich bin aber überzeugt, das nur jahrhundertelange Unterdrückung der Menschen mit Hilfe der Religionen Schuld an solchen Vorstellungen sind. Völlig freisprechen kann ich mich von dem Gedanken, es gäbe da noch was auch nicht. Viele Bücher und verschiedene Menschen haben einen da doch beeinflusst. Aber am Ende solcher Gedanken siegt doch immer die Vernunft. Wie gesagt ich kann das akzeptieren, finde es aber traurig, wenn aufgrund eines Glaubens viele Menschen sterben, die mit einem Organ eines hirntoten Menschen ein neues Leben hätten beginnen können.
Es gibt übrigens auch Angehörige von Spendern, die Trost durch die Spende eines Organes finden. Sein Tod hat jemand anderen weiterleben lassen.
Danke für Deine Antwort.
2 years ago ( translate )

Tanja - Loughcrew replied to :

Der Glaube an die Seele hat nichts mit Religion zu tun...oder bei mir nicht!
Ich hab selbst erleben können, dass mit dem Sterben "etwas" den menschlichen Körper
verlässt, was ihn ausgemacht hat..an die Seele haben die Menschen schon geglaubt, als
die Kirche noch nicht mal Piep gemacht hat!
Die Vernunft siegt Gott sei Dank so oft, dass mich das auch sehr froh macht...ich weiß aber nie
wie ich reagieren würde, wenn ich in dieser oder anderen Art betroffen wäre.
2 years ago ( translate )

Katja said:

Allgemein sollte sich jeder die Frage stellen... Ja oder Nein.
Mehr nicht.
Einen Konflikt den man mit sich selber ausmachen muss und
genährt wird er von alle dem was einem dabei durch den Kopf geht.
Wann ist man Tod und wenn ich Spender bin, tun dann die Ärzte
dennoch alles für mich?! ...
Religiöse und Esoterische Einwände... Angst vor Schmerzen...
so viele Dinge geistern einem Möglichen Spender durch den Kopf.
Und was sind diese Ängste noch?!
Keiner der Hinterbliebenen sieht irgendwelche Narben...
Organe sind auch nur ein Teil... sechs Möglichkeiten die nach
dem ableben entnommen werden können...
abgesehen davon kommt noch die Lebendspende infrage.
Die sind natürlich an sehr viele Bedingungen gebunden
und was noch weitaus häufiger vorkommt... und auch unter
"Spender", wenn auch entfernt fällt sind die Gewebespenden.

Letztendlich aber... niemand kann einem diese Entscheidung
abnehmen. Nur ein klares JA oder NEIN sollte klarstellen
ob eine Person, die für Tod erklärt wird noch als Spender dient.
2 years ago ( translate )

Biobauer replied to Katja:

Ja leider stellen sich viele diese Frage nicht von allein. Was ist jetzt Deine persönliche Meinung? Bist Du dafür das jeder durch die Umkehr der Regelung sich entscheiden muss?
Im letzten Jahr gab es nur noch etwa 800 Spender in Deutschland. Ich denke es gäbe unter den Verunfallten wesentlich mehr Spender, wenn jeder veranlasst würde eine Entscheidung zu fällen. Auch würde der illegale Organhandel in der dritten Welt aufhören.
In der Mehrheit der Länder Europas bist Du automatisch Spender, außer Du widersprichst dem. Diese Länder haben keine Sorgen mit Organmangel. Dazu gehören Belgien, Bulgarien, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowenien, Slowakei, Tschechien, Türkei, Ungarn, Zypern.
In den Neuen Bundesländern werden übrigens mehr Organe gespendet als empfangen.
2 years ago ( translate )

Katja replied to :

Ich selber bin Spenderin... und ich wäre rein aus meiner
Sicht sehr froh darum wenn dies mehr ganz klar definieren würden.
Ganz klar würde ich es sogar befürworten, wenn es zur Pflicht
wird und nur durch einen "Einspruch" dem begegnet werden kann.
Aber nicht nur der Spenderausweis ... auch das festhalten in
Schriftlicher Form in einer Patientenverfügung sollte geregelt sein
dahin gehend wie in anderen Ländern...

Wenn bei einem Unfall der Tod festgestellt wird und es taucht ein
Spenderausweis auf von der verstorbenen Person, dann klingelt
bei vielen das Telefon... eine ganze Kette von Punkten muss
dann abgearbeitet werden... bis hin zur OP.
Aber das ist leider kaum der Fall.... verschwinden gering sogar.
Der Arzt in der Klink hingegen hat dem Arzt bei einem Unfall
einen entscheidenden Vorteil... er kann besser abschätzen.
Wenn ein Patient Intensiv liegt, kann über den Zustand gewacht
werden und bei bedarf schneller entschieden werden.
Klingt jetzt hart, aber vieles ist da schon im "Stand by" ...
man sollte sogar bei Intensiv Patienten und deren Angehörigen
vorstellig werden und dies ansprechen.
Aber dann erweckt man keinen guten Eindruck beim Patienten...
im Gegenteil, es scheint man wolle ihm zugunsten anderer aufgeben.
Dieser Eindruck dürfte also nie entstehen.... was aber schwer ist.

Ich glaub so um die 7500 Nieren werden derzeit gebraucht...
über 10.000 Menschen warten überhaupt auf eine Spende und
davon sterben in der Woche rund 15 bis 20 Stück.
Aber das sind alles Statistiken... keine Ahnung wie viele
Organspender es derzeit in Deutschland gibt, ich habe nur mal
gelesen, das sich gut 80% der Bürger dafür entscheiden würden,
aber nur 25% davon angeblich auch wirklich Spender sind.
Zu Wenig jedenfalls... angesichts der realen Zahlen von
OP´s in denen Spenderorgane verpflanzt wurden.

Deinen Satz:
"In den Neuen Bundesländern werden übrigens
mehr Organe gespendet als empfangen."
..das klingt als gäbe es im Osten einen Überschuss...
aber es sind nur mehr Spender wenn man sich die Quoten
ansieht... also mehr pro 1.000.000 Einwohner als im Westen.
2 years ago ( translate )

Biobauer replied to :

Danke für Dein Statement Katja.
Du hast recht, ein echten Überschuss gibt es nicht. Aber es werden mehr Organe gespendet als transplantiert. Ist wohl unser Beitrag zur Deutschen Einheit. Okay, ein schlechter Scherz.
Vor 15 Jahren wartete man durchschnittlich 4 Jahre auf eine Niere, heute 8 Jahre und das obwohl sie inzwischen länger funktionieren.
2 years ago ( translate )

Katja replied to :

"länger funktionieren" ... auch nett gesagt.
Ein Hoch auf die Medizin... die Niere kann ja auch als Lebendspende
anderen übertragen werden... auch Teile der Leber.
Da kommt mir noch ein Punkt in den Sinn, wieso viele ablehnen
Organspender zu sein.... weil sie nicht bestimmen können wer
ihre Organe nach dem versterben bekommt.
Dann kann man immer noch über die Lebendspende nachdenken...
aber das würde bedeuten, das im Nahem Umfeld eine Person
eine Niere ... oder ggf. auch anderes "braucht".
Diese Form der Organspende hat unschätzbare Vorteile gegenüber
der Spende nach dem Tod.

Manche würden sogar so weit gehen, das sie bestimmte Gruppen
ausschließen für eine Organspende ...
Medizinisch gesehen ist das aber natürlich nicht möglich und steht
auch hoffentlich nie zur Diskussion...
das wäre damit zu vergleichen, das man Betrunkenen die erste Hilfe
verweigert weil man sowieso weiß das sie wieder trinken...
oder noch schlimmer... einem Unfall Verursacher nicht hilft,
weil er ja "Schuldig" ist und so auch bestraft würde.
Wer Organspender ist muss wissen, das die Organe die eventuell
nach dem Tod entnommen werden, nur Personen empfangen werden
die von Ärzten ausgewählt sind... oder auch sozusagen "oben auf der Liste stehen".
Naja.... so ein Gedankenansatz
2 years ago ( translate )

Biobauer said:

Es gibt ein Zentrum, das über die Vergabe entscheidet. Neben der "Passgenauigkeit", spielen auch Wartezeit und Krankheitszustand eine Rolle. Wer noch zu fit ist muss länger warten und wer zu krank ist bekommt auch kein Organ mehr. Außerdem werden Kinder vorgezogen.
Der Missbrauch durch einige wenige Ärzte, bei dem einige Kranke auf der Liste nach vorne gepuscht wurden, hat leider einen hohen Anteil am Rückgang der Spendenbereitschaft.
Lebendspende die wie Du ja schon gesagt hast bei Niere und Leber (Halbe) möglich ist, verlängert die Überlebensrate der Transplantierten deutlich. Die Hürden dafür sind aber sehr hoch. Wer Freunde hat ist klar im Vorteil!:)
2 years ago ( translate )

Katja replied to Biobauer:

"Freunde" ... die erkennt man dann.
Aber das wird unzählige male geprüft und einfach einem
"Freund" darf man gar nichts ... spenden. Schon gar nicht Organe...
was auch damit zu tun hat damit so kein "Handel" entsteht.
Man muss schon eine Familiäre oder Familienähnliche Beziehung
zu der Person haben... ansonsten geht das nicht.
2 years ago ( translate )

Biobauer replied to :

Freunde und Feinde gibt es auch unter den Verwandten!:) Tatsächlich dürfen in Ausnahmefällen nachweisbar sehr innige Freunde aber tatsächlich spenden, wenn auch selten. Das meinst Du vielleicht mit familienähnlich. Hingegen dürfen auch nahe Verwandte nicht spenden, wenn der Psychologe eine Abhängigkeit feststellt.
2 years ago ( translate )

Katja replied to :

"Abhängigkeit!?! ... Abhängig von Verwandten?! ;))
Mit so etwas habe ich mich nie beschäftigt...
um ehrlich zu sein versuche ich ja zu verhindern,
das Menschen in die Lage kommen Organe zu spenden...
wobei ich "meine Fälle" nie weiter begleite bis zur Notaufnahme...
was danach kommt muss man und will man gar nicht wissen.
2 years ago ( translate )

Biobauer replied to :

Da gibt es viele Möglichkeiten. Bei mir arbeitet beispielsweise ein Cousin, der dürfte mir nur ein Organ spenden, wenn ich ihn vorher rausschmeiße. Dann wäre er in keinem Abhängigkeitsverhältnis mehr. ;-)
2 years ago ( translate )